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In der Klinik gut betreut.
Wie geht es zu Hause weiter?

Ein chronisch krankes oder auch schwerkrankes Kind stellt immer eine besondere Herausforderung für die gesamte Familie dar. Neben dem Umgang mit der Erkrankung muss auch gleichzeitig der Alltag bewältigt werden. Darüber hinaus kommen Geschwisterkinder aufgrund der besonderen häuslichen Situation häufig zu kurz.

Wir bieten die Sozialmedizinische Nachsorge für Familien an, um eine Überforderung aufgrund der Erkrankung des Kindes zu vermeiden. Dabei unterstützen wir beim Übergang von der Klinik in die häusliche Umgebung das erkrankte Kind aber auch die Familie ganz individuell, um mit dieser schwierigen Situation fertig zu werden. Der erste Kontakt findet noch während des Klinikaufenthaltes statt. Die Entlassung wird gemeinsam mit der Familie und dem behandelnden Arzt vorbereitet und die Betreuung im häuslichen Umfeld individuell abgestimmt sowie organisiert.

Was ist die Sozialmedizinische Nachsorge?

Die Sozialmedizinische Nachsorge ist seit 2009 eine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen nach § 43 Abs. 2 SBG V. Sie soll betroffenen Familien helfen, den Übergang von der Klinik in die häusliche Umgebung zu erleichtern.

Inhaltlich wird die Sozialmedizinische Nachsorge in drei Säulen geteilt:

  • Analyse des Versorgungsbedarfs, Vorbereitung
  • Koordination der ambulanten ärztlichen, pflegerischen und psychosozialen Versorgung
  • Anleitung und Motivation der Familie zur Inanspruchnahme der verordneten Leistungen

Bei Inanspruchnahme der Sozialmedizinischen Nachsorge entstehen den Familien keine Kosten.

Wer sind wir?

Wir sind ein multiprofessionelles Team bestehend aus Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen, Case Managerinnen, einer Sozialpädagogin und Ärztinnen für Kinder- und Jugendmedizin. Durch enge Kooperationen mit einer Psychologin, der Seelsorge sowie weiteres Fachpersonal bieten wir ein großes Spektrum an Fachwissen für die unterschiedlichsten Bereiche.

Was machen wir?

Wir arbeiten unter Berücksichtigung von medizinischen, pflegerischen und psychosozialen Aspekten nach der Case Management-Methode. Somit bieten wir eine individuelle und ganzheitliche Betreuung in der Klinik als auch zuhause an. Wir sind vor allem beratend tätig, beantworten aber auch aktuelle Fragen und sprechen über Ängste und Bedenken mit den Patienten und Eltern.

Zum Beispiel gehören dazu:

Ermittlung des individuellen Versorgungsbedarf des Kindes

  • Erstellung eines Nachsorgeplans
  • Planung und Organisation der häuslichen Versorgung - in Abstimmung mit allen beteiligten Leistungserbringern
  • Vermittlung von Kontakten der ambulanten ärztlichen und pflegerischen Versorgung in Wohnortnähe
  • Unterstützung bei der Selbstversorgung des Kindes und bei der Inanspruchnahme von Hilfen bzw. medizinischen Versorgungsleistungen
  • Beantwortung von Fragen zu Anwendung und Wirkung von Hilfsmitteln und Medikamenten
  • Beratung  bei sozialrechtlichen Fragen z.B. mit Krankenkassen oder Rentenversicherungsträgern
  • Unterstützung im Umgang mit der Erkrankung und bei deren Bewältigung
  • Unterstützung bei alltags- und krankheitsbezogenen Anforderungen

Ein wichtiges Ziel ist die Stabilisierung der Versorgungssituation, Stärkung der Eltern sowie Hilfe zur Selbsthilfe durch Etablierung eines individuellen Versorgungsnetzes um den Patienten herum. Die Sozialmedizinische Nachsorge ersetzt nicht die Aufgaben anderer Fachbereiche, sondern organisiert, koordiniert und begleitet diese. Darüber hinaus sollen stationäre Aufenthalte vermieden bzw. verkürzt werden.

Die Nachsorgeeinrichtung der MHH Kinderklinik kooperiert mit dem Netzwerk für die Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher e.V. und dem Kinderkrankenhaus auf der Bult.

Als assoziiertes Mitglied im Bundesverband Bunter Kreis steht die Nachsorgeeinrichtung der MHH Kinderklinik im engen Kontakt mit anderen Nachsorgeeinrichtungen außerhalb der Region Hannover. Außerdem wird durch die Mitgliedschaft im Bunten Kreis ein einheitlich hoher Qualitätsstandard gewährleistet.

Wer bekommt Sozialmedizinische Nachsorge?

Chronisch kranke oder schwerkranke Kinder bis zum 14. Lebensjahr (in Ausnahmefällen auch bis zum 18. Lebensjahr) können die Sozialmedizinische Nachsorge in Anspruch nehmen.

Voraussetzungen sind körperliche Beeinträchtigungen von Körperfunktionen sowie Einschränkungen der altersentsprechenden Aktivitäten infolge der Erkrankung des Kindes sowie die Gefahr der Überforderung der Familie aufgrund der aktuellen Situation.

Das Angebot richtet sich an alle Patienten der MHH Kinderklinik, welche schwer bzw. chronisch krank sind. Dazu gehören Krebserkrankungen, Frühgeborene, Risikogeborene, chronische Lungenerkrankungen, Immundefekte,  komplexe Herzfehler, Schädel-Hirntraumata, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen, Lebererkrankungen, neurologische Erkrankungen einschl. schwer behandelbarer Epilepsien. Darüber hinaus betreuen wir auch Patienten nach einer Organtransplantation (beispielsweise Lungen-, Leber-, Nieren- oder auch Knochenmarktransplantation).

Wir versorgen die Kinder aus Hannover sowie in der Region Hannover (Radius 30 km). Sollte die Familie weiter weg wohnen, erfolgt die Betreuung der Familie in Kooperation mit einer wohnortnahen Nachsorgeeinrichtung.

Wie geht es weiter?

Der Stationsarzt nimmt mit der Nachsorgeeinrichtung Kontakt auf, wenn Bedarf an Sozialmedizinischer Nachsorge besteht und eine baldige Entlassung in die häusliche Umgebung ansteht. Sprechen Sie Ihren zuständigen Arzt ruhig an, wenn Sie von diesem Angebot profitieren möchten.

Anschließend prüft der Nachsorgemitarbeiter die Indikation zur Sozialmedizinischen Nachsorge. Wenn diese gegeben ist, erfolgt ein Erstgespräch mit der Familie.

Sobald die Einwilligung zur Sozialmedizinischen Nachsorge vorliegt, wird die Verordnung gemeinsam mit dem Stationsarzt ausgefüllt und zur Genehmigung an die zuständige Krankenkasse weitergeleitet.

Als nächstes wird gemeinsam mit Familie und Fachpersonal ein Nachsorgeplan erstellt, welcher die Grundlage für die geplanten Nachsorgeleistungen darstellt. Ganz individuell werden dann innerhalb von maximal drei Monaten 6-20 Nachsorgeeinheiten (entsprechen Zeitstunden) erbracht.