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Qualitätsmanagement

Der Netzwerk-Verein hat sich zum Ziel gesetzt, für alle schwerkranken Kinder und Jugendlichen und deren Familien in Niedersachsen ein flächendeckendes medizinisches, pflegerisches und psychosoziales Versorgungsangebot aufzubauen

Ein Kernelement bei der Umsetzung dieser Zielsetzung ist das Koordinierungsbüro des Netzwerks. Es informiert über Angebote aller Professionen, die die häusliche Betreuung schwerkranker Kinder und Jugendlicher und deren Familien leisten und vermittelt diese. Außerdem stellt es das zentrale Organ der spezialisierten ambulanten pädiatrischen Palliativversorgung (SAPPV) in Niedersachsen. Dabei kommt dem Koordinierungsbüro auch eine qualitätssichernde Rolle zu.

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, entwickelt und etabliert das Netzwerk im Rahmen eines umfassenden Qualitätsmanagements adäquate Instrumente für die verschiedenen Ebenen der Versorgung. Die Ebenen einer optimalen häuslichen pädiatrischen (Palliativ-)Versorgung in Niedersachsen sind das Koordinierungsbüro des Netzwerks (erste Ebene), regionale ambulante spezialisierte Teams (zweite Ebene) und die Leistungserbringer in der Basisversorgung vor Ort (dritte Ebene). Die erste, übergeordnete Ebene stellt die administrativen und organisatorischen Strukturen, während die Fachkräfte der zweiten und dritten Ebene die Patientenversorgung leisten.

SAPPV-Grafik 2012

Umsetzung des Qualitätsmanagements auf den verschiedenen Ebenen der ambulanten Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher

Für das Koordinierungsbüro des Netzwerks wurde in Zusammenarbeit mit der Zentrum für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen GmbH (ZQ-GmbH) an der Ärztekammer Niedersachsen ein Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO 9001 implementiert. Als ein Kernprozess wurde dabei die Zuordnung regionaler Leistungserbringer der Ebenen zwei und drei zu verschiedenen Kategorien entsprechend ihrem Spezialisierungsgrad in der Pädiatrie und der (pädiatrischen) Palliativversorgung definiert.

Diese Spezialisierungsgrade der ambulanten Leistungserbringer wurden für die ärztlichen, pflegerischen und psychosozialen Professionen in der Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher definiert. Die Definition der gewählten Spezialisierungsgrade wurde auf Grundlage der gesetzlichen Vorgaben durch kinderärztliche und kinderpflegerische Spezialisten entwickelt und orientiert sich an den Qualitätskriterien der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) und der Qualitätsgemeinschaft der Häuslichen Kinderkrankenpflege in Niedersachsen (QHK).

Die Spezialisierungsgrade bilden das Aufgabenspektrum der einzelnen Leistungserbringer in der Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher ab und sind damit Grundlage einer guten und kooperativen Zusammenarbeit. Die Leistungserbringer aller Spezialisierungsgrade sind unverzichtbare Partner im Netzwerk der häuslichen Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher.

Alle Spezialisierungsgrade wurden operationalisiert, d.h. es wurden ihnen objektive prüfbare Merkmale wie Abschlüsse, Zusatzqualifikationen und Grad der beruflichen Erfahrung zugeordnet und in einem Leitfaden zusammengefasst. Die Zuordnung der Leistungserbringer zu den Spezialisierungsgraden findet durch das Koordinierungsbüro statt. Die dazu notwendigen Informationen zum Spezialisierungsgrad der Leistungserbringer erhält das Koordinierungsbüro zunächst über eine Selbstauskunft. Daneben werden die Leistungserbringer bei internen Audits unterstützt.

Als weiterer Baustein des Qualitätsmanagement-Gesamtkonzeptes werden Leitlinien für die SAPPV der Patienten entwickelt.

Damit entsteht ein umfassendes Instrument des Qualitätsmanagements für die häusliche Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher für die verschiedenen Professionen und Spezialisierungsgrade. Dieses Instrument ist angepasst an die speziellen Gegebenheiten des dezentral und populationsbezogen organisierten Versorgungssystems in Niedersachsen und damit auf die individuelle Situation schwerkranker Kinder und Jugendlicher in der häuslichen Versorgung anwendbar. Damit wird auch die Basis für eine kontinuierliche Evaluation geschaffen.

Pflegerischer Bereich

Bereits vor Etablierung des Netzwerks wurde der Bedarf an Qualitätsentwicklung für ambulante Pflegedienste in Niedersachsen festgestellt. Im Rahmen eines Modellprojektes des IKK-Landesverbandes Niedersachsen entwickelten dabei der IKK-LV Niedersachsen, 10 ambulante Pflegedienste und das iSPO-Institut 20 Qualitätskriterien.

Zu Beginn des Modellvorhabens wurde der Grad der Umsetzung der 20 vertraglich vereinbarten Kriterien durch eine Selbsteinschätzung des Krankenpflegedienstes beschrieben und je Kriterium bepunktet. Auf dieser Basis konnte dann eine qualitätsorientierte Leistungsvergütung umgesetzt werden (Pflegen Ambulant, 16. Jahrg. 2/05, S. 2 - 5).

Die Qualitätskriterien des IKK-Modellprojektes wurden von der QHK aufgegriffen. Die QHK konstituierte sich im Rahmen des vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung geförderten Modellprojekts zur Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität der häuslichen Versorgung schwerkranker Kinder in Niedersachsen. Die derzeitigen Mitglieder der QHK sind:

Gemeinsam mit dem iSPO-Institut und in enger Rückbindung an das nds. Sozialministerium wurden Qualitätskriterien für (Kinderkranken-)Pflegedienste erarbeitet. Aus den 20 im Rahmen des IKK-Modellprojekts entwickelten Kriterien wurden dazu zunächst die 10 für die Kinderkrankenpflege am wichtigsten erachteten Kriterien aufgegriffen. Diese 10 Basiskriterien bilden die Grundlage, nach der ambulante Pflegedienste gemäß § 113 Sozialgesetzbuch (SGB) XI und den Rahmenvereinbarungen mit den Kostenträgern ihre Arbeit organisieren. Neben den 10 Basis-Qualitätskriterien wurden durch die QHK zusätzlich 10 Spezial-Qualitätskriterien festgelegt, die sich ausschließlich an Kinderkrankenpflegedienste richten.

Die Qualitätskriterien der QHK sind essentieller Bestandteil der Zuordnung der Pflegedienste zu verschiedenen Spezialisierungsgraden durch das Koordinierungsbüro des Netzwerks. Der höchste Spezialisierungsgrad entspricht den Anforderungen der spezialisierten ambulanten (pädiatrischen) Palliativversorgung (SA(P)PV) nach § 37b SGB V.


Qualitätsentwicklung in der ambulanten Pflege schwerkranker Kinder und Jugendlicher 

Audits im Rahmen des Qualitätsmanagements des Netzwerks

Ein Audit im Rahmen des Netzwerks überprüft das Vorhandensein und die praktische Anwendung von Qualitätsstandards (Ist-Werte) entsprechend der Vorgaben des Leitfadens für Leistungserbringer in der häuslichen Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher (Soll-Werte). Es zeigt damit objektiv auf, welcher Spezialisierungsebene ein Dienst zuzuordnen ist. Die Ergebnisse eines Audits können auch dazu genutzt werden, die Leistungen eines Dienstes zu optimieren.

Innerhalb der QHK gibt es konkrete Regelungen zu internen Audits. Die im Rahmen des Netzwerks angebotenen Instrumente zur Selbstbewertung wurden in enger Anlehnung an die Ergebnisse der QHK formuliert.

Interne Audits werden jährlich durch erfahrene Mitarbieter der QHK durchgeführt. Für die internen Auditorinnen der QHK werden regelmäßig Schulungen angeboten. Falls ein (Kinder-)Krankenpflegedienst sich dazu entscheidet, ein Qualitätsmanagement-System zu installieren, bietet es sich an, einen Mitarbeiter zum Qualitätsbeauftragten ausbilden zu lassen. Dieser Mitarbeiter ist dann auch für die internen Audits verantwortlich. 

Spezialisierungsebenen der (Kinder-)Krankenpflegedienste in der häuslichen Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher

Die Einhaltung

  • der verschiedenen Kriterien „pädiatrisch erfahren" und „palliativ erfahren",
  • die Erfüllung der Basis-und Spezial-Qualitätskriterien sowie
  • der Anforderungen der SAPV bzw. in Anlehnung daran der SAPPV

wird anhand der vorgegebenen Formulare überprüft.

Dazu gibt es für Pflegedienste für Erwachsene und Kinderkrankenpflegedienste jeweils einen gesonderten Selbstbewertungsbogen.

Selbstbewertungsbogen für (Kinder-)Krankenpflegedienste

Ein Kinderkrankenpflegedienst zeichnet sich aus durch die

  • überwiegende Beschäftigung von Pflegekräften, die die Berufsbezeichnung
    „Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in" tragen sowie die
  • hauptsächliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen.

Selbstbewertungsbogen für Kinderkrankenpflegedienste

Ärztlicher Bereich

Für den ärztlichen Bereich wurde im Jahr 2003 beim Deutschen Ärztetag von der Bundesärztekammer die Zusatzweiterbildung Palliativmedizin beschlossen. Neben der Zusatzweiterbildung schlägt die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) ein dreistufiges Qualifizierungsmodell vor:

In der Pädiatrie entspricht die erstgenannte Stufe einem Kinderarzt mit der Zusatzweiterbildung Palliativversorgung von Kindern und Jugendlichen für Gesundheits- und KinderkrankenpflegerInnen, KinderärztInnen und psychosoziale MitarbeiterInnen.

Das erste deutsche Curriculum zu dieser Weiterbildung wurde Ende 2004 in Nordrhein-Westfalen im Auftrag des dortigen Landesministeriums erstellt.

Die unten aufgeführten Spezialisierungsgrade der Leistungserbringer der ambulanten pädiatrischen Palliativversorgung sind an die dreistufige DGP-Gliederung angelehnt. Als Spezifikum in der pädiatrischen Palliativversorgung kommt es durch die Differenzierung nach unterschiedlichen Facharztausrichtungen zu einer Erweiterung des Stufenmodells. Daraus ergibt sich eine vierstufige Gliederung, die die unterschiedlichen Spezialisierungsgrade in der pädiatrischen Palliativversorgung abbildet:

Selbstbewertungsbogen für MedizinerInnen

Die Erfüllung

  • der beruflichen Qualifikationen und Zulassungen,
  • der Kriterien „pädiatrisch erfahren" und „palliativ erfahren" sowie
  • der Erfahrungen in den genannten Bereichen

werden anhand eines vorgegebenen Formulars abgefragt. Anhand dieses Formulars findet dann die Zuordnung der Ärzte zu einem Spezialisierungsgrad statt.

Psychosozialer Bereich

Psychosoziale Fachkräfte können die Zusatzweiterbildung Palliativversorgung von Kindern und Jugendlichen für Gesundheits- und KinderkrankenpflegerInnen, KinderärztInnen und psychosoziale MitarbeiterInnen nach dem 2004 in Datteln entwickelten multiprofessionellen Curriculum erwerben. Darüber hinaus existiert eine S3-Leitlinie[1] der Arbeitsgruppe Leitlinien der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft in der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie (PSAPOH) zur psychosozialen Versorgung in der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie (zu beziehen unter http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/025-002.htm).

Für die Zuordnung der psychosozialen Fachkräfte nach Spezialisierungsgrad wurde aufgrund der Vergleichbarkeit mit den anderen Berufsgruppen für die Stufe IV die Zusatzweiterbildung in pädiatrischer Palliativversorgung über mindestens 160 Stunden zugrunde gelegt.

Selbstbewertungsbogen für psychosoziale Fachkräfte

Die Erfüllung

  • der beruflichen Qualifikationen,
  • der verschiedenen Kriterien „pädiatrisch erfahren" und „palliativ erfahren" sowie
  • der Erfahrungen der Kriterien für die Teilnahme an der SAPPV

werden anhand eines vorgegebenen Formulars abgefragt. Mittels dieses Formulars findet dann die Zuordnung der psychosozialen Fachkräfte zu einem Spezialisierungsgrad statt.


[1] Leitlinie mit zusätzlichen/ allen Elementen einer systematischen Entwicklung (Logik-, Entscheidungs- und „Outcome"-Analyse, Bewertung der klinischen Relevanz wissenschaftlicher Studien und regelmäßige Überprüfung)