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Fachkräftemangel in der häuslichen Kinderkrankenpflege

Projektlaufzeit: 2014 bis 2017

Die flächendeckende pflegerische Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher ist in Niedersachsen aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte bei gleichzeitig großer Fläche eine besondere Herausforderung. Der Fachkräftemangel in der Pflege erschwert die Problematik noch. In einem größtenteils aus Landesmitteln finanzierten Projekt wurden daher Ursachen für den Fachkräftemangel in der ambulanten Kinderkrankenpflege in Niedersachsen untersucht und Lösungsansätze entwickelt.

Von April bis Oktober 2015 fand eine standardisierte Fragebogenerhebung unter Leitungen und Mitarbeiterinnen ambulant-pädiatrisch tätiger Pflegedienste, Kinderkrankenpflegeschülerinnen  sowie Schulleitungen statt. Dabei wurde die aktuelle Situation erhoben, um mögliche Maßnahmen für die Sicherstellung einer bedarfsgerechten ambulanten Versorgung abzuleiten.

Es konnten Fragebögen von neun Pflegedienstleitungen (PDL), 97 ambulant-pädiatrisch tätigen Pflegekräften (MA), zehn Schulleitungen und 110 Schülerinnen ausgewertet werden.
 

(Kinder-) Krankenpflegedienste

Sowohl in der PDL- als auch in der MA-Befragung waren 97% der Beschäftigten weiblich und 83% Teilzeitkräfte. Die Pflegedienste versorgten zusammen 271 Kinder und Jugendliche, 164 (61%) davon mit mehr als 4 Stunden täglich. Die Entfernung zwischen Pflegedienst und Patientenwohnort lag im Schnitt bei 72 km.

Weitere Ergebnisse dieser Befragung finden Sie in folgenden Veröffentlichungen:

Dem Fachkräftemangel begegnen

Diese Veröffentlichung wurden uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von

Poster Häusliche Kinderkrankenpflege


Kinderkrankenpflege-Schulen

Pro Jahr stehen an den zehn Schulen, deren Leitungen befragt wurden, durchschnittlich 125 Ausbildungsplätze in der Kinderkrankenpflege zur Verfügung. In 2013 und 2014 wurden diese Plätze zu Beginn der Ausbildungsphase belegt. Die Schulen gaben an, dass die Anzahl der Bewerberinnen die der verfügbaren Schulplätze um ein Vielfaches überstieg.

Weitere inhaltliche Ergebnisse dieser Befragung finden Sie in diesem Artikel:
Artikel Kinderkrankenschwester

Die Erkenntnisse aus den Befragungen bestätigen eine inadäquate häusliche pflegerische Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher in Niedersachsen. Besonders problematisch zeigen sich dabei die großen Entfernungen zwischen Patienten und Pflegediensten, eine mangelnde Qualifikation verfügbarer Pflegekräfte und fehlende freie Kräfte auf dem Arbeitsmarkt. Neu-Einstellungen oder die Aufstockung von Teilzeitkräften scheitern häufig an mangelnder Kinderbetreuung und zu geringen Verdienstmöglichkeiten.

Bezüglich der kinderkrankenpflegerischen Ausbildung zeigen sich die Herausforderungen darin, die examinierten Kräfte in der Pflege zu halten und sie für eine ambulante Tätigkeit zu begeistern.

Um den bestehenden Problemen zu begegnen, sind folgende Maßnahmen geplant:

  • Überbrückung großer Entfernungen, z.B. durch Kooperation mit Erwachsenenpflegediensten (Pflegeüberleitungsprojekt)
  • Erarbeitung von Konzepten zu regionalen Angeboten der Kinderbetreuung
  • Ermöglichung praktischer Erfahrung für Schülerinnen im ambulanten pädiatrischen Bereich
  • Verstärkte Praxisanleitung und mehr Austausch mit Kolleginnen für Berufseinsteigerinnen

Auch eine bessere finanzielle Entlohnung würde die häusliche Kinderkrankenpflege für Fachkräfte attraktiver machen. Um diese in den Diensten zu realisieren, spielen Anreize durch die Politik eine große Rolle.